SV Deutz 05 – Borussia Freialdenhoven 1:3 (0:0)

Der erste Spieltag der Mittelrheinligasaison bescherte den Schwarz-Gelben ein Heimspiel vor zahlreichen Zuschauern unter Covid-19-Bedingungen gegen Borussia Freialdenhoven. Die hatten wegen eines Coronafalls nur suboptimale Trainingsbedingungen gehabt. Deutz 05 hatte zahlreiche Verletzte zu verkraften, die in einer gar nicht schlechten Vorbereitungsphase positive Akzente gesetzt hatten. Deutz begann mit einer 4-1-4-1-Formation. Yaschar Hayit war der Sechser vor der umformierten Kette. Finn Stromberg und Tobias Blum sollten die Spitze Lukas Kremer offensiv unterstützen. Es entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel mit viel Respekt vorm Gegner auf beiden Seiten. In der 9. Minute der erste gefährliche Ansatz der Gastgeber, als Kremer nach Drehung einen Ball durchsteckte, aber niemand darauf einging. Schon der Gegenzug zeigte, wer den Schwarz-Gelben Probleme bereiten könnte. Einen langen Ball behauptete der Mittelstürmer der Gäste, Christos Draganidis, gekonnt gegen Paul Tilly. Er umkurvte noch Torwart Maurice Nguyen, der dennoch per Fußabwehr bravourös klären konnte. Nach 25 Minuten bleibt zu konstatieren, dass Deutz 05 ein gutes Spiel machte und außer einer Chance keinen Abschluss der Gäste zuließ. Allerdings kamen sie selbst nicht in die Box, geschweige denn zu erfolgversprechenden Abschlüssen. In der 30. Minute legte Kremer auf für Blum, der aus spitzem Winkel knapp verzog. Nach 43 Minuten legte sich Gianluca Pavone den Ball geschickt mit der Brust vor und passte in Richtung Elfmeterpunkt, wo aber kein Mitspieler zu finden war. Sekunden später ein katastrophaler Rückpass des jungen Michael Hamacher in den Lauf des Gegners, doch Schlussmann Nguyen verhinderte mit toller Parade den Rückstand. Genau der bescherte dem schwarz-gelben Anhang eine Schrecksekunde, als der Gegner noch den Fuß in einen Querpass bekam, der Ball aber das Tor knapp verfehlte. Dann war Pause.

In der 50. Minute passte Kremer zu Blum, der mit seiner ganzen Erfahrung den Ball halbhoch in der kurzen Ecke zum 1:0 versenkte. Die Borussia reagierte mit einem Doppelwechsel und erhöhte den Druck. Vier Minuten nach dem Deutzer Führungstreffer zeigte dann Draganidis seine Klasse. Mit einer Drehung narrte er gleich zwei Gegenspieler und traf in die lange Ecke. Thomas Idel kam für Finn Stromberg, der immer mal wieder seine enorme Schnelligkeit gezeigt hatte, vom Gegner aber geschickt gedoppelt wurde, sodass ihm Abschlüsse verwehrt blieben. Deutz schien vom Gegentreffer beeindruckt. Sie kamen nicht mehr so in die Zweikämpfe, wie das in der ersten Hälfte noch der Fall war.  In der 67. Minute wieder Draganidis: Sage und schreibe 6 Deutzer im Strafraum konnten nicht verhindern, dass der Ball in der kurzen Ecke einschlug. Trainer Johannes Zäh versuchte mit einem Doppelwechsel, die Wende herbeizuführen. Egen Sentop und Arjend Shabani kamen für Hayit und Blum. Die Schwarz-Gelben agierten zu oft mit langen und hohen Bällen, die von der kopfballstarken Borussia-Defensive wie von einer Gummiwand zurückkamen. In der 80. Minute hatte Shabani die große Chance zum Ausgleich, als er freistehend per Kopf am Gästetorwart scheiterte. Der eingewechselte Seiya Takano konnte in fünf verbleibenden Minuten nichts mehr bewirken. Freialdenhoven machte den Sack in der Nachspielzeit endgültig zu, als Pascal Schneider nur flankiert von Tilly einfach immer weiterlief und den Ball unter dem Querbalken versenkte.

Fazit: Nach einem Spiel ist es zu früh, von einer Herbstdepression zu sprechen. Nach einer akzeptablen ersten Hälfte und einer plötzlichen Führung bauten die Deutzer merkbar ab. Viele Ballverluste ließen keine kontrolliertes Aufbauspiel zu, die Zweikampfbilanz ging deutlich in den Keller. Was Sorge macht, ist, dass erfolgversprechende Abschlüsse eher die Seltenheit sind. Sie kommen einfach zu wenig in die Box. Dort spielt die Musik. Um dorthin zu kommen, fehlte über weite Strecken die Kreativität. Stromberg wurde meist aus dem Spiel genommen. Dann muss von den anderen einfach mehr kommen. Zur Entschuldigung sei gesagt, dass Leistungsträger wie Wilking und Niklas fehlten. Die Mannschaft braucht auch einen gesunden Idel, der mit seinem Antritt den Unterschied ausmachen kann. Schnelle, überfallartige Angriffe – oft gesehen in der Vorbereitung – blieben völlig aus. Immerhin haben sie gegen einen ambitionierten Mittelrheinligisten über lange Zeit passabel gespielt und sind in Führung gegangen. Dennoch ist der Sieg für Freialdenhoven völlig verdient, weil es in der gefährlichen Zone einfach effektiver war.  Draganidis war für die sehr junge Mannschaft zu clever. Beim Aufstiegsfavoriten 1. FC Düren am nächsten Sonntag wird es nicht einfacher. Die verfügen über einige vom Kaliber des Borussia-Stürmers. Vielleicht stehen dem Trainerteam bis Sonntag mehr Alternativen zur Verfügung. Aber auch in Düren gilt: Zuerst muss gespielt werden!

Spielbericht:  HW Kley