BCV Glesch-Paffendorf – SV Deutz 05 4:2 (4:0)

Trainer Johannes Zäh schickte gegen den Aufsteiger eine 4-2-3-1-Formation auf den Kunstrasen, der sich diese Bezeichnung redlich verdiente. Der Ball zog öfter mal eine Spur von aufgewirbeltem Granulat hinter sich her, was eben sehr kunstvoll aussah. Aber, so ist das auf jedem Untergrund, alle müssen drauf spielen. Glesch begann druckvoller als Deutz, in der 13. Minute musste Torwart Maurice Ngyuen hellwach nach einem Kopfball sein. Der Aufsteiger kam gnadenlos über die Physis. Seiner körperbetonten Zweikampfführung hatten die Schwarz-Gelben zunächst wenig entgegenzusetzen. Nach einer Viertelstunde gutes Flügelspiel der Gastgeber mit folgender Flanke auf den zweiten Pfosten, zum Glück köpfte der Angreifer neben den Pfosten ins Aus. Kurz darauf klärte Keeper Nguyen eine scharfe Flanke zur Ecke. Sekunden später wollte er abschlagen und wurde von Bastian Porschen rüde gefoult. Gelbe Karte für den Glescher Stürmer. In der 17. Minute spielte Nico Burbach uninspiriert den Ball in den Lauf von Sherif Krasniqi, der sich nicht zweimal bitten ließ und zum 1:0 traf. Das erste Gastgeschenk war angekommen! Nach 25 Minuten die erste gute Deutzer Offensivaktion, aber Seiya Takano verzog knapp. In der nächsten Szene die Defensive der Schwarz-Gelben im kollektiven Tiefschlaf: Stefan Krämer lief alleine auf Nguyen zu und machte das 2:0. Nach einer halben Stunde ein langer Ball auf den schnellen Linksaußen der Paffendorfer, Michael Hamacher wehrte sich zu ungestüm mit den Händen und riss ihn um. Strafstoß ohne Diskussion! Krasniqi versenkte sicher zum 3:0. Der Hüne machte im Übrigen nicht nur wegen seiner zwei Tore ein überragendes Spiel. Trainer Zäh versuchte mit einem Doppelwechsel in der 35. Minute Ordnung ins Spiel seines Teams zu bringen. Niklas Grob und Ege Sentop kamen für Yaschar Hayit, der sich bis dahin wenigstens gegen die rustikale Spielweise der Gastgeber gewehrt hatte, und Burbach, der an diesem Sonntag unerklärlich spannungslos wirkte. Kapitän Tim Pütz übernahm die Innenverteidigung, Grob und Sentop bildeten die Doppelsechs. In der 40. Minute die Deutzer Defensive wieder im Tiefschlaf: Torhüter Nguyen hielt brillant in höchster Not. Die letzte Aktion der ersten Halbzeit endete fatal für die 05er. Der schnelle Isiaq Olaife Ololade Orolade lief allen davon und traf ins lange Eck zum 4:0. Toll gemacht und der Name allein hatte schon ein Tor verdient. Eine der desaströsesten Halbzeiten, die man je von Schwarz-Gelb gesehen hatte, war endlich zu Ende. So gut wie nichts hatte geklappt getreu Andi Brehmes Kultspruch: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß. Neben einem Donnerwetter schien Trainer Johannes Zäh den Bestseller VIER TORE SCHIESSEN – LEICHT GEMACHT verteilt zu haben.

Die Schwarz-Gelben zeigten eine heftige Reaktion. Zunächst aber einmal verhinderte Keeper Nguyen mit einer Riesenparade das 5:0. Kurz darauf hatte Leon Wallraf plötzlich den Platz, den man in der Mittelrheinliga ganz selten hat: Nach Ballannahme narrte er mit einer Finte geschickt seinen Gegenspieler und schlenzte den Ball in die lange Ecke. War es DER Weckruf? Drei Minuten später ein langer hoher Ball in den Glescher Strafraum. Finn Stromberg behauptete sich gekonnt im Luftkampf und köpfte den Ball in den Winkel. 2:4 nur noch und es waren noch 34 Minuten zu spielen. Der Glescher Trainer wechselte und nahm Porschen vom Platz, der sich lange vergeblich um einen Platzverweis beworben hatte. Auch der Deutzer Trainer Zäh wechselte und brachte Argjend Shabani für Takano. Kurz darauf eine gute Aktion von Thomas Idel, der für Stromberg auflegte. Der schoss den Ball aus kurzer Distanz übers Tor, weil er allzu viel Rückenlage hatte. 13 Minuten vor Schluss kam Rayen Hakimi, der im Pokal zweimal getroffen hatte, für Wallraf. In der 80. Minute guter Eckball von Sentop, Stromberg konnte aber den Kopfball nicht genug aufs Tor drücken. Sekunden später eine skurrile Situation: Der Glescher Torwart rannte Hakimi über den Haufen, der verdutzte Stromberg setzte den Ball neben das verwaiste Tor. Abstoß! Wenn das keine Großchance war. Aber es war die letzte nennenswerte Aktion, sodass die 2:4-Niederlage für Deutz 05 damit Bestand hatte.

Fazit: Deutz 05 spielte eine ganz schlechte erste Halbzeit, verteilte Gastgeschenke und lag 0:4 zurück. Dann eine bemerkenswerte Reaktion im zweiten Durchgang. Endlich zeigten sie das richtige Zweikampfverhalten und überzeugten auch spielerisch mit vielen guten Offensivaktionen. Hier der Originalkommentar zum Spiel von Trainer Johannes Zäh: „Die erste Halbzeit war gemeinschaftliches Nichtfunktionieren oder Tiefschlaf. Vielleicht fühlte sich meine Mannschaft zu sehr unter Druck gesetzt, weil gegen den heutigen Gegner Punkten möglich war. Heute hätten wir uns belohnen können für die Arbeit, die wir im Training leisten und auch in den bisherigen Spielen gezeigt haben. Dass die Mannschaft das kann, hat sie in der zweiten Halbzeit gezeigt. Wenn man aber hinten zu viele Geschenke verteilt, kann man vorne nicht genug Tore schießen. Im nächsten Spiel gegen Frechen 20, einem Gegner auf Augenhöhe, müssen wir uns einfach anders präsentieren.“

Spielbericht:  HW Kley